BRÜSSEL , 12. Dezember 2025: Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich auf die unbefristete Einfrierung eingefrorener russischer Vermögenswerte geeinigt. Dies markiert einen bedeutenden Kurswechsel in der Reaktion der EU auf Russlands Invasion in der Ukraine. Die am Donnerstag unter dänischer Ratspräsidentschaft verkündete Entscheidung setzt sich über die Vorbehalte Belgiens hinweg und schafft eine Rechtsgrundlage für die Aufrechterhaltung der Einfrierung ohne regelmäßige Verlängerung. Die dänische Ratspräsidentschaft bestätigte, dass die EU- Regierungen „einer überarbeiteten Fassung des Vorschlags gemäß Artikel 122 zugestimmt haben“ und bis Freitag, 17:00 Uhr Ortszeit, ein schriftliches Verfahren zur formellen Zustimmung durch den Rat einleiten werden. Die Ratspräsidentschaft fügte hinzu, dass die Vereinbarung von einer „sehr deutlichen Mehrheit“ der Mitgliedstaaten getragen werde, was eine breite politische Übereinstimmung innerhalb der EU signalisiert.

Die Einfrierung betrifft russische Staatsvermögen, die bereits im Rahmen europäischer Sanktionen eingefroren wurden. Diese Sanktionen wurden als Reaktion auf Moskaus umfassenden Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 verhängt. Ein Großteil dieser Vermögenswerte, deren Wert auf rund 190 Milliarden Euro geschätzt wird, wird von der Brüsseler Finanzdepotbank Euroclear verwahrt. Der neue Rahmen macht die halbjährliche Verlängerung der Einfrierung überflüssig, die zuvor die einstimmige Zustimmung aller 27 EU-Mitgliedstaaten erforderte. Dieser Schritt soll die rechtliche und finanzielle Grundlage für ein Reparationsdarlehen an die Ukraine schaffen. Dieser Mechanismus würde es Kiew ermöglichen, Finanzmittel zu erhalten, die durch die zukünftige Nutzung der Gewinne aus diesen eingefrorenen Vermögenswerten abgesichert sind. EU -Beamte argumentieren, dass die unbefristete Einfrierung unerlässlich sei, um den Plan vor potenziellen politischen Störungen zu schützen, insbesondere durch Regierungen, die sich gegen eine Verlängerung der Sanktionen oder eine Änderung der Bedingungen der Vermögenssperre aussprechen.
Dänemark bestätigt Mehrheitsunterstützung in den Mitgliedstaaten
Belgien hatte zunächst Bedenken hinsichtlich der rechtlichen und finanziellen Auswirkungen der Maßnahme geäußert, da Euroclear, eines der weltweit größten Wertpapierabwicklungshäuser, seinen Hauptsitz in Brüssel hat. Die belgischen Behörden hatten versucht sicherzustellen, dass die Entscheidung das Land keinen Haftungsrisiken oder Rechtsstreitigkeiten über die Eigentumsrechte der eingefrorenen Gelder aussetzt. Trotz dieser Bedenken bestätigte die dänische Ratspräsidentschaft, dass der Kompromissvorschlag nahezu einstimmig angenommen wurde. Nach geltendem EU- Recht müssen Sanktionen gegen Russland alle sechs Monate durch einen einstimmigen Beschluss der Mitgliedstaaten verlängert werden. Die Entscheidung vom Donnerstag entkoppelt die Einfrierung der Vermögenswerte faktisch von diesem Verlängerungsprozess und schützt sie somit vor politischer Einflussnahme durch einzelne Regierungen.
Nächste Schritte für die formelle Annahme durch den Rat der EU
Die Maßnahme wird als direkte Reaktion auf die Befürchtung gesehen, Ungarn, das die Sanktionen gegen Moskau wiederholt kritisiert hat, könnte künftige Verlängerungen blockieren und die EU -Unterstützung für die Ukraine gefährden. Die unbefristete Einfrierung russischer Vermögenswerte ist eine der folgenreichsten Finanzmaßnahmen der EU seit Beginn des Konflikts. Sie spiegelt die zunehmende Dynamik innerhalb der EU wider, eingefrorene russische Vermögenswerte in konkrete Hilfe für die Ukraine umzuwandeln und gleichzeitig die komplexen Rechtsfragen rund um Staatseigentum und Völkerrecht zu bewältigen. Die formelle Annahme der Maßnahme am Freitag dürfte den Weg für Gespräche über die Umsetzung des daraus resultierenden Finanzmechanismus Anfang 2026 ebnen. – Von der EuroWire -Redaktion.
